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Ben

Heavy Meddl krumm im Schäddl - Vier Takte für ein Halleluja

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Ein etwas älteres Juwel der Geschichtenschreiberei. Aus dem Jahr 2010, als ich meine erste 570 kaufte. Viel Spaß beim Lesen!

Endlos schienen die Stunden zu werden, die ich mit der Jagd nach weiteren Unzulänglichkeiten dieses vemeintlichen Schnäppchens verbrachte. Ich kam mir vor wie Tom Hanks auf der Suche nach dem Freimaurerschatz. Nur weniger Tote und keine vollbusigen Schauspielerschlampen. Die Liste der ausgetauschten, defekten Teile wuchs und meine Geduld zeigte mir desöfteren den dezenten Stinkefinger.

Das war also meine Husqvarna TC570, ein zusammengepfuschter Haufen Mist. Überall am Motor war in endlosen Massen Gehäusedichtung zu finden. Ich schlug mich dennoch durch den Dschungel des nicht anspringen wollenden Irrgartens. Mit Hilfe meiner Aushilfsmachete Heiko schlug ich den Weg zum Anspringen der Husky (im folgenden "Der Hund" oder "Scheisshaufen" genannt) frei. Heiko reinigte für mich meinen Dellorto Vergaser im hauseigenen Ultraschallbad. Der Hund nahm dies wohlwollend zur Kenntnis und lud mich auf eine erste echte Spazierfahrt ein.

Der Verlauf dieser glich einem wahnwitzigen Ritt durch die Elemente. Über Stock und Stein, grasgrüne Berge im Wheelie hinauf, geteerte Bergserpentinen hoch und runter. Eine Wahnsinnsgaudi sag ich heute noch mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Die Leistung war völlig ausreichend, die Sicht im einklappbaren Endurospiegel zwei Klassen unter 916 Niveau und meine Innereien waren bei geschätztem Tempo 120 auf Stollenbereifung Entkalkungsmodus durch good vibrations. Aber ich hatte irre Spaß.

Es sollte eigentlich nur eine kurze Runde werden. Kurz, klar, aber wer kennt das nicht. Es war einfach viel zu geil um umzudrehen. Viel zu früh. Meine frei gewählte Route führte mich auf ein Gewitter allererster Sahne zu. Dunkelschwarzer Himmel 10km vor mir, Blitze, die Bäume standen schon schräg. Ich bog ab um mich vor dem Gewitter aus dem Staub zu machen, Fortuna war mir hold. Nur noch 9km bis in die Heimat, ich würde es trocken schaffen dachte ich. Auf die Bundesstraße abbiegend beschleunigte ich Hundi im vierten Gang bis... ja bis...

Wir nehmen uns jetzt alle an den Händen und stimmen ein hohes E an, öffnen den Mund und beginnen mit einem BOOOOAAAAAAA, während wir den Ton zu einem tiefem C auf der Tonleiter absinken lassen. Quasi ein BOOOOAAAAAAAAAaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhh...

Aus.

Hektisch blickte ich nach hinten, sah das Gewitter hinter mir her ziehen. Sicher wr der Sprit alle, ich würde einfach auf Reserve schalten. Hehe, ich Fuchs ich! Doch der Tritt auf den Kickstarter offenbarte mir, das die Vorstellung wohl ohne den Hauptdarsteller Kompression zu Ende gehen würde. Porca miseria - aber doch nisch jetzt! Doch, genau zu diesem Zeitpunkt. Das kurze Ende beschreibt sich in etwa wie: abgeholt worden kurz nach erreichen des Gewitters, Hundi an Notrufsäule an einer Bundesstraße angelehnt, ab nach Hause. Hänger geholt im Gewitter, Arsch zu 3/10 nass, zu Hundi gefahren, in Rekordzeit in miesem Gewitter aufgeladen, Arsch zu 11/10 nass, Hundi verstaut und leise "fick dich" gesagt und nach Hause gefahren.

Am kommenden Tag ging ich auf die Pirsch. Fehlersuche war angesagt. Endlich mal wieder ein Motorrad auseinander bauen, ich hätte kotzen können. Ich wollte doch nur was zum fahren. Ich wollte bitterlich weinen, doch stattdessen schwang ich die Inhalte meines allerorts grünen Proxxon Kasten (ohne Scheiss, der ist an jedem Ort grün).

Tank runter, Seitenpappe ab, Vergaser runter, Luftfilterkasten weg, Kühler ab. Mir graute schon vor dem was da kommen würde. Ich löste die Kopfmuttern und prökelte den Zylinderkopf vom schwedischen Atomreaktor.

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Die schwedischen Brennstäbe glühten eifrig, aber irgendwas war anders. Ein genauer Blick auf den Kolben offenbarte mir, dass hier nichts abgebrochen oder gebrochen war. Ein Glück! Ich nahm den Kopf unter die Lupe und wunderte mich schon über die neumodische Ventilstellung. Einlassventile zu, ein Auslass offen, ein Auslass zu. Nanü?

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Tja, da war wohl meine Ursache. So richtig gerade sah der Pillemann auch nicht mehr aus um ehrlich zu sein. Es war nun quasi weder eine Autodeko noch eine manuelle Deko, sondern eher eine Dauerdeko.

Deko bedeutet allerdings Dekompression für die die sowas noch nie gehört haben.

So nahm ich einen Lappen und Bremsenreiniger, um mir den Kolben genauer anzusehen. Der Schmodder musste runter und siehe da, Druckstellen wo das Ventil aufgeditscht ist. "Kleines Stückchen scheisse Du!" dachte ich. Wieso das Ventil aber so unmotiviert offen stehen blieb und das benachbarte nicht, war mir zu diesem Zeitpunkt reichlich unklar. Wäre die Steuerkette einen Zahn übergesprungen, müssten ja beide breit sein. Der Kolben erzählte allerdings noch eine andere Geschichte. Da war dem Vorbesitzer (folgend VB) wohl mal eine Kerze zerbröselt und der Kolben hat mit dem Metall lustig Ping Pong gespielt. Jedoch war das auch nicht wirklich wild und auch die Ditschstelle des Ventils machte mich jetzt nicht so unfroh, das ich gleich nen ganz neuen Kolben ordern musste. Dennoch wollte ich mal sehen, ob das Pleuel und die Kurbelwelle noch halbwegs in Ordnung waren. Also runner mim Zylinder! Wo bliebe denn sonst der Schbass, hö?

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Der Zylinder ging fast ganz einfach runter, wenn da diese bescheuerte Steuerkette nicht gewesen wäre. Im Zylinder saß eine Hülse, die der nette VB mit soviel Pampelmuse eingeschmiert hatte, das man diese nur mit roher Gewalt und einer Rohrzange rausoperieren konnte. Schlecht, ganz schlecht. Wie dem auch sei, viel fluchen später hatte ich den Apparat ab und den Zylinder runter. Der Kolben sah ganz gut aus von der Seite, die Ringe schienen ebenfalls jung zu sein. Die Zylinderlaufbahn hatte schon was gesehen in ihrem Leben, aber auch die war noch brauchbar.

Ich wacktelte lustig am Pleuel hin und her. Kein seitliches Spiel, vorzüglich, konnte also so bleiben. Ich entschied mich den Kopf wieder zu montieren und den Kolben wieder auf das Pleuel zu stecken, da ja nur der Kopf betroffen war. Um den Zylinder über den Kolben zu stülpen wollte ich ein bisschen Flutschi auftragen. Also kurzerhand das gute Castrol Edge aus dem Regal genommen um einen Schluck in den Zylinder zu geben. Und als ich da so öffne und ganz vorsichtig giesse, da sehe ich wie sich im Augenwinkel ein Stück von der Metallfolie des Etiketts löst und Richtung Kurbelgehäuse segelt.

Mit einem zeitlupenartigem

*dramatische Filmstimme an*

Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnn

*dramatische Filmstimme aus*

versuchte ich den Schnipsel noch zu fassen, doch zu spät. Das durfte jetzt echt nicht wahr sein grummelte ich. Ich stellte die Ölpulle weg und warf einen genauen Blick am Pleuel vorbei. Ah, da lag es ja, das Schnipselein! Wasn Glück. Vorsichtig fischte ich mit zwei Fingern nach dem Metallfolienschnippel und, ja! Ich hatte ihn! Ja!

Und flutsch glitt er mir aus den Fingern und weg war er.

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In einem Anfall blanker Verzweiflung gepaart mit Wut über dieses Missgeschick spielte ich Gedankenpingpong zwischen "dich mach ich mit nem Schraubenzieher fertig du Scheissding" und "we we weeee, ebayyyyy. deeeeee - verkauuufennnnnn! click click click".

Garage verlassen, Tor zu, erstmal Schluss. Atmen, ganz ruhig. Und drüber schlafen. Zwei Tage später fasste ich mir ein Herz und rief meinen Husqvarna Psychiater an. Heiko Bollmann von Moto Concept in Betheln durfte sich lang und breit mein Missgeschick anhören. Nachdem ich dann ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt hatte um Mitleid zu erregen stellte ich die goldene Quizfrage: "Kann ich ganz eventuell vielleicht unter Umständen wenn es keine Unannehmlichkeiten bereiten würde.... maschnelldeinenPolradabzieherleiiiiiiiiiiiiiiiihn?" :hilfe:

Alles kein Problem! Also schwofte ich an diesem vergangenen Samstag los und schraubte meinen Motor dort in der Werkstatt auseinander. Heiko schaute desöfteren kurz mal über die Schulter und gab hilfreiche Tipps. Eine absolut affengeile Sache!

Polrad runter, Statorhalterung runter... mit Gewalt. Mensch waren die Schrauben wieder angeknallt und festgegammelt. Kurzerhand wurde der Kurbelwellenabzieher angesetzt und das Gehäuse gespalten.

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Die Innereien des Husqvarna Motors machten einen guten Eindruck und auch der corpus delicti lies sich blicken. Der Etikettenschnipsel hatte sich unter der Kurbelwelle eingenistet. Anscheinend fühlte er sich dort wohl.

Dank der gut ausgestatteten Werkstatt hatte ich die Möglichkeit, mein Gehäuse mit Diesel und einem Pinsel zu säubern. Welch ein Luxus! Nun war der Schnippel raus, das Getriebe war ok und auch die Lager scheinen noch gut zu sein. Folglich wurde eine neue Mitteldichtung installiert und das Gehäuse wieder zusammen gesetzt. Hierbei für Nachahmer ein Wort der Weisheit: unbedingt die originalen Gehäuseschrauben bei so einer Aktion zur Hand haben. Das macht das Prozedere um ein vielfaches einfacher als mit zwei wahllos zusammengesammelten Schrauben.

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Heute kam dann der Kopf von Haertle Racing in Berlin zurück. 1 Auslassventil ersetzt und 2 Sitze neu geschnitten sowie eine Ventilführung erneuert. Herrlich! Die restlichen Teile für den Wiederaufbau des Motors sind auch geliefert und werden am Samstag abgeholt. Eigentlich alles super easy und fast fertig, wäre mir nicht im Huskyforum ganz zufällig ein 6-Gang Getriebe über den Weg gehoppelt das sich nun in einem lustigen Karton neben mir befindet :cool:

Schalten sie wieder ein wenn es beim nächsten Mal heisst: 6 gegen Willy! Und immer dran denken liebe Schraubis:

Dirko, Dow und Hylomar

muss nich überall rinn

das is doch klar!

Gerade bei die Wasserpumpe

is das Klebzeug wirklich Gelumpe.

Schmiert doch alles eklig voll,

das findet der Motor gar nicht toll.

Also vom Flutschizeug die Finger weg,

denn im Wasserkanal is das dolle Dreck.

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There is no business like Schraubbusiness sagte vielleicht mal ein halbwegs bekannter Showmaster.

Der Huskymotor lag einige Zeit brach bis es wieter gehen konnte. In der Zwischenzeit besorgte ich mir eine 22cm große, viereckige Stahlplatte mit einer aufgeschweissten M12 Mutter in der Mitte und der dazu passenden Schraube. Der Sinn des ganzen? Es ist ein Kurbelwellenabzieher. Mit dem pornösesten Edding den ich finden konnte malte ich die Platte an um Bohrlöcher anzuzeichnen. Das die Schraubenköpfe jetzt auch lila sind... naja, man sieht momentan einfach mal drüber hinweg.

An dieser Stelle ein Praxistipp für euch Schrauberlinge dort draussen. Solltet ihr mal ein Motorgehäuse spalten wollen, nicht ungeduldig werden. Der KW-Abzieher zieht ja nur vorne im Bereich der Kurbelwelle. So passiert es häufiger, dass das Gehäuse ungleichmössig auseinander gezogen wird. Vorne stärker als hinten. Da hinten in den meissten Motoren noch Passhülsen eingesetzt sind, die das Gehäuse im hinteren Bereich fixieren und als Führung für den Schwingen- oder Motorbolzen fungieren, gestaltet sich das Spalten manchmal schwierig. Oftmals hilft es die Spannung vom Gehäuse zu nehmen, indem man den Abzieher nach ein paar Umdrehungen wieder löst und wieder von vorne beginnt zu spannen. Hier auf jeden Fall der Versuchung widerstehen, mit einem Metallgegenstand wie einem Schraubenzieher zwischen den Dichtflächen rumzupuhlen. Dann lieber ein Stück Holz zum leichten Klopfen nutzen. Das geht vor dem Metall kaputt.

Das Gehäuse war nun also gespalten und die Mitteldichtung beiseite gelegt. Die möchte ich nämlich wieder verwenden, da sie noch nicht einmal warm geworden ist.

Das gebrauchte 6 Gang Getriebe war bereits passend zusammen gebaut. Lediglich ein wenig Putziputzi half dem guten Stück optisch auf die Sprünge. Der Einbau ist etwas fummelig und ich brauchte 3-4 Anläufe bis es an seinem Platz war.

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Im Anschluss realisierte ich, dass der Job im gehäuse ja schon getan war. Komisch, das ging schnell. Also wieder alles zusammen. Ich holte die ungeduldigen Gehäuseschrauben hervor und begann das Gehäuse zusammen zu führen. Aber irgendwas stimmte hier nicht. Es ging schwerer als ich es in Erinnerung hatte vom 1. Mal. Ich wollte nichts kaputt machen, weswegen der KW-Abzieher wieder aus seiner Ecke hervor geholt wurde um die Aktion nochmal rückwärts zu leiern.

Tja, und was soll ich sagen... Die Ausgangswelle hatte sich nicht in das Lager sondern gegen das Lager gedrückt. So hatte ich das Lager im rechten Gehäuse geschlachtet. Ich. Bin. Doof. Naja, passiert. Eventuell hätte man es wieder richten können, aber ich hatte keine Lust auf Pfusch am Bau. So bestellte ich bei meinem Huskydealer Moto Concept ein neues Lager und gleichzeitig einen neuen Simmi. Ein bisschen frustriert packte ich die Chose zur Seite und begann schonmal den Kopf so weit zusammen zu stecken wie es eben ging.

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Auffällig hierbei war, dass das neu gekaufte Wasserrohr, welches angeblich für alle 570 und 610er passen sollte, nicht in meinen Huskykopf wollte. Das Ding war einfach 2mm läger als das Röhrchen, welches ich beschädigt damals aus dem Kopf operierte. Viele Stunden später kam dann heraus, dass die Modelle von 95 und 96 ein kürzeres Wasserrohr hatten. Aha. Also habe ich einen 95er oder 96er Kopf auf meinem 03er Motor. Machst aber nix, weil sich da nichts geändert hat. Nockenwelle und Peripherie, alles gleich. Das neue, hoffentlich passende Röhrchen ist nun ebenfalls geordert und wird diese Woche noch beim Hundehändler geliefert.

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Soweit ich das überblicken kann, ist der Huskymotor nicht besonders kompliziert. Ich dachte vorher Wunder was das wohl werden würde, mein erster 4 Takt Komplettaufbau, mei oh mei. Aber so wild finde ichs jetzt nicht. Klar, da kommt noch die Steuerketten, Ventile einstellen und die Zündung... Aber ehrlich gesagt kann man da nicht sehr viel falsch machen, da es kaum Verstellmöglichkeiten gibt am Steuerkettenzahnrad und an der Zündung. Den Kopf habe ich jetzt mal provisorisch zusammen gesteckt, so wie es auf den Bildern zu sehen ist.

Vielleicht läuft der Ofen ja am Wochenende? Gelächter macht sich breit... :guenni:

In der nächsten Episode von four stroke madness: Eisige Lager, Steuerketten und andere Fesselspiele. Stay tuned.

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Wo waren wir noch gleich stehen geblieben?

Ach ja, da wo noch alles recht überschaubar war. Zwischenzeitlich habe ich mindestens 7 Nervenzusammenbrüche erlitten.

Das Ganze im Schnelldurchlauf. Ich hatte das Lager ausgetauscht, das Getriebe war wieder drin, neue Dichtungen, Ventile eingestellt... der Motor wieder im Chassis. Alles verschlaucht, Öl drauf, Kühlwasser drauf, Karre angetreten (springt sogar ganz gut an jetzt), Klamotten an, Freude Freude, ganz rein, aus. Kupplung trennt nicht. Die hydraulische Magura Pisse die da dran ist, kann man nicht nachjustieren. Schade für mich. Aber das Problem lag woanders. Kupplungsdeckel auf, Hub der Druckplatte angeschaut, schien ok. Aber: Kupplung trennte nicht. Druckplatte ab, trennte nicht. Wtf...:geschockt:

Scheiben raus, trennte nicht. Kern abgebaut, trennte nicht :geschockt::hilfe:

Da saß also der Korb auf dem Antriebsrad und drehte sich immer mit, egal was kam. Erste Ideen waren Mutter zu fest angezogen, was aber kaum Sinn machte da ich schon Leute sah die die Dinger mit dem Schlagschrauber befestigten :gaga: Mit loser Mutter ging es, mit montierter Mutter nicht. Der Korb drehte sich immer auf der Welle mit. Scheissendrecks!

Eine klitzekleine Unterlegscheibe war der casius knacktus. Die hatte ich auf die Hauptwelle montiert zwischen Wellenzahnrad und Wellenlager, also war sie im Motorgehäuse. Die gehörte aber hinter die Kupplung, nach aussen.

Hach, was solls, sehen wirs sportlich!

Alles wieder ausgebaut, Motor in den Keller, auseinander genommen, Scheibe von der Welle abgezogen, alles wieder zusammen, Kopf drauf, Dow Corning schnüffeln und kirre werden, Ventile einstellen, Motor aus dem Keller in die Garage, alles wieder verschlauchen, Öl drauf, Wasser drauf, los gehts.

Karre läuft, juhu Freude, Montur an, Helm auf, Kupplung gezogen, geht kein Gang rein.

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Öl runter, Wasser runter... bisschen wimmern und weinen... :Helmut:

Ihr kennt das Spielchen. Alles auseinander, gucken was los ist. Mit offenem Gehäuse konnte man schalten, sobald es zusammen war nicht. Super. Motor erstmal stehen gelassen und ne Woche nicht angepackt.

Gestern habe ich dann zusammen mit Heiko Bollmann von Moto Concept nochmal drauf geguckt. Da war doch glatt ein Grat in der Bohrung für die Schaltwalze im rechte Gehäuse. Die klemmte dann dort und konnte sich nicht drehen. Schmiergelpapier raus und Grat beseitigt. Da hatte ich bei einem meiner Zusammensetzversuche wohl die Schaltwalze eingeklemmt. Eigentlich doof, weil an den Ecken der Schaltwalze eine Schräge ist, mit der die Walze in die Bohrung rutschen soll. Naja, wie dem auch sei.

Alles wieder zusammen, und jetzt steht der Motor im Keller zusammen gebaut ohne Kupplung fertig dar. Die Kupplung ist noch bei Heide. Der vernietet mir den neuen Kupplungskorb. Eine mechanische Seilzugkupplung habe ich mittlerweile gebraucht aus dem Huskyforum besorgt.

Dienstag wirds dann weiter gehen. In der Zwischenzeit verfrachte ich den Motor wieder ins Chassis und harre der Dinge die da kommen. So langsam gehen auch die potenziellen Fehlerquellen aus, die mich zur Weissglut treiben könnten.

Zwischenfazit: bislang ne gaaaaaanze Menge gelernt aber auch gut Lehrgeld bezahlt. Ein Glück, das die Teile hier nicht so teuer sind. Freu mich schon aufs Fahren, ist schon lange her das ich mal auf nem Ofen saß um am Quirl gedreht hab :thumbdown:

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Erweiterte Einblicke in die Zerspanungstechnik war also die Lektion der Stunde gewesen. Ich war glüclick bereits gute 20 Minuten in den Wäldern unterwegs und hatte ne Menge Spaß. Endlich wieder Motorrad fahren! Ein Stein der Größe des Uluru fiel mir vom Herzen.

Die Husky lief echt gut. Ein bisschen argwöhnisch belauschte ich die mechanischen Geräuse des Triebwerks, aber mangels Referenzen nahm ich diese als normal hin.

Ich machte mich auf den Heimweg und endurowanderte einen Pattweg hinauf, an dessen Spitze ich den Hund mal wieder abwürgte. Is eben nich so einfach Enduro fahn. Ich kannte ja das Prozedere. Kicker raus, reinlaaaaaaaaaaaaaaa...llaaaaaaaaaaaaaaaaaaa.huuuuuurrrrrrrrrrrgghghhgLAAAAAAAAAAAA!!! Hm, Kicker fest, das war irgendwie schlecht :guenni: Dachte mir vielleicht hatte sich was verklemmt, kann ja mal vorkommen. Also die Gunst der Stunde genutzt und die vor mir liegende Abfahrt genutzt um das Moped im 2. Gang rollend anzuschieben. Pustekuchen... nix zu machen. Nun, wer seinen Hund liebt, der schiebt. Bergab kein Ding, kurz bergauf naja... sollte man schon genug Puste eingepackt haben. Durch die Siedlung entlang dumm glotzender Erdlinge, druff geschissen.

Zu Hause angekommen mal wieder Öl runter. Mitunter kamen jetzt auf 1 Betriebsstunde 5 Ölwechsel. Daran krankts also nicht, hehe. Nun, das ganze Gehäuse war voller Späne. Ich ahnte schlimmes und heulte mich erstmal bei meiner Frau aus. ;)

Am nächsten Tag exhumierte ich das tote Aggregat in Erwartung eines kapitalen Motorschadens. Klar, wer 3 Kilo frischzerspantes mit der Suppenkelle aus seinem Motor schöpft darf sich keine Hoffnung machen.

Als ich im Keller die unzähligen Kopfschrauben löste hörte ich mich laut sagen "eigentlich will ichs gar nicht wissen...". Scheisse, ich hatte echt Muffen was da jetzt käme. Die Kopfabdeckung wollte auch nicht ohne weiteres runter, sondenr war verkantet. Onkel Gummihammer half das Problem zu lösen.

Was mir entgegen stierte lies mich stark einatmen... und nach kurzer Zeit halbwegs entspannt ausatmen.

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Was war passiert? Die neuen Schrauben des Nockenwellenrades hatten sich aus der Nockenwelle heraus gerissen. Vermeintlich Glück im Unglück, ich hatte schlimmeres erwartet. Nachdem ich den Block gespalten hatte, offenbarte sich das reinste Spaninfero. Lasst euch gesagt sein, solltet ihr mal Späne in eurem Gehäuse finden, denkt nicht das ihr mit durchspülen davon kommen werdet. Das Zeug war überall.

Der gespaltene Block wurde also samt Kopf, Zylinder und allem anderen in eine große, blaue Plastikkiste verfrachtet und die Nummer gegen Kummer wurde gewählt. Ich orderte eine neue Nockenwelle (aua bling bling...) und ein neues Nockenwellerad (aua bling...). Bei beiden war ich mir nicht 100% sicher ob ich sie wieder einbauen sollte. Da mich dieses Projekt gelehrt hat die Dinge konsequent zu bearbeiten, entschied ich mich kein Risiko einzugehen sondern Neuteile statt der fragwürdigen Altteile zu verbauen. Das mag zwar auf den ersten Blick teuer und unnötig erscheinen, aber auf den zweiten Blick ist es denke ich billiger. Denn wenn ich an dieser Stelle wieder gepfuscht hätte, würde mir der Karren wieder explodiert. Soweit meine Logik.

An dieser Stelle muss ich noch einmal meine Begeisterung für den Laden Moto Concept in Betheln ausdrücken. Sehr kompetent, mega hilfsbereit und mit Ersatzteilen zügig am Mann. Richtig toll. Dort wurde dann einige Tage später das Gehäuse gewaschen und alles gesäubert, die vorhandenen Ersatzteile eingesackt, zum x-ten Mal die Bimota DB7 samt der Pornofrästeile angesabbert und noch logger geschnackt. Ich nahm mitunter auf Heiko Bollmanns Husqvarna TC 250 Modell 08 platz und empfand den Gedanken, so ein Gerät in der fernen Zukunft einmal zu pilotieren sehr schmeichelhaft.

Doch zurück zum 576 Kubikzentimetertrümmer. Die Kopfabdeckung schliff ich händisch mit 80er und 200er Schleifpapier aus um die Grate zu entfernen. Alles war super sommer sauber und zum 7. oder 8. Mal montierte ich den Motor. Alles lief wie geschmiert, ja, so langsam hatte ich es wirklich drauf. Die Drehmomente kannte ich nun an den wichtigen Stellen aus dem ff. Das nahm schon ducatische Züge an :geschockt:

Tja liebe Liebenden, was soll ich sagen? Ich hab den Motor eingebaut, alles verkabelt und gesteckt. Nach 20 Mal treten war der Ofen immer noch nicht an. Ich war schon ein bisschen traurig, aber sportlich wie ich ja drauf bin ratterte das Fehlerschema bereits in meinem Kopf. Ich baute eine neue Kerze ein, maß die Spannung am Kerzenstecker mit 14v und befand diesen für anständig. Die Kerze lieferte auch einen stetigen Funken. Doch vom Motor kein "höppöppöpp" nach Betätigung des Kickers. Vielleicht Elektrik... denn mechanisch schien alles tutti bene.

Ich klemmte die Lichtschalterarmatur ab. Braucht n Rennmoped auch gar nicht! Nichts.

Killschalter ab. Sprang nicht an. Ich überprüfte die weiteren Steckverbindungen, war aber ziemlich schnell damit durch da an sonem Kabelbäumchen ja nicht viel dran war.

Also wohl doch der doofe Dellorto Vergaser? Ich steckte den Tank wieder drauf, die Sitzbank war noch demontiert. So kniete ich also vor der Husky auf dem kalten Garagenboden, grübelnd.

Und jetzt kommts. Ich sagte laut "meine Liebe, wenn du aufhörst zu zicken, dann versprech ich dir, das ich dich nur um Dreck und auf der Strecke fahre. Nicht auf der Straße wenn du nicht willst...".

Ich stieg auf, trat 2 mal rein... und der Karren singt sein sonorem Rumpellied!

Jetzt mal ohne Witz und doppelten Boden, das war doch wieder so ein total bescheuerter italienischer Moment, oder wie seh ich das? Ich musste echt lachen. Zur Strafe bin ich damit erstmal über die Straße von A nach B gefahren, ätsch.

Bis heute, Sonntag den 24.10.2010 habe ich 2,5 glückliche Betriebsstunden mit der Husqvarna verbracht. Ich war auf Wegen, die ich höchstens mal mit dem Mountainbike gefahren wäre. Ich war beim Waschplatz, tanken, im Baumarkt, habe hemmungslos gewheelt, bin stehend winkend an doof glotzenden Menschen vorbei gefahren, habe mir diverse "Sie düüürfen hier aabbbaaaa nich faaaaaaahn!" angehört und mich endlos meines Lebens erfreut.

So schliesst sich dieses Kapitel bis auf weiteres. Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit, mache einen höflichen Knicks und lassen den gelb blauen Vorhang fallen.

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